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Leserbrief von Marianne Wüthrich

Bildungs- und Forschungsniveau am Abgrund

Was sind wir für ein "Forschungsplatz" geworden, wo nur noch eine einzige, von der EDK vorpropagierte Meinung zu Schulfragen zugelassen wird. Wo Lehrer mundtot gemacht werden, wenn sie ihre Schüler nicht als Versuchskaninchen für fragwürdige und nicht evaluierte Lehrplan-Experimente hregeben wollen. Wo Eltern, die für ihre Kinder eine lebenstaugliche Schulbildung fordern, gemäss EDK-Präsident Eymann nichts zum Lehrplan zu sagen haben. Wo üblicherweise nur Mainstream-Pädagogen einen Lehrstuhl kriegen, und wo eine Professorin Simone Pfenninger, die sich traut, den Mund aufzutun und ihre fundierten Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren, aus dem Land gegrault wird. Was ist nur aus unserem hohen Bildungs- und Forschungsniveau geworden! Holen wir es zurük und lassen wir uns nicht davon abhalten, auf demokratischem Weg den Lehrplan 21 und die Fremdsprachenfrage zur Diskussion zu stellen!

(Als Reaktion auf den NZZ-Artikel von Anja Burri, erschienen am 18.09.2016)
 

Unterschriften Lehrplan-Initiative

Die Sammlung der Unterschriften für die Initiative "Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen" läuft bisher sehr gut! Damit keine Unterschriften verloren gehen, würden wir uns freuen, wenn Sie uns Ihre Unterschriftenbogen möglichst schnell zurücksenden.
 

24 Schulkinder sind das Maximum

Im Baselbieter Bildungsgesetz steht im §11 festgeschrieben, dass es pro Schulklasse auf der Sekundarstufe 1 in den Niveaus E und P maximal 24 Schulkinder geben darf (im Niveau A maximal 20). Seit dem neuen Schuljahr sind im Kanton jedoch mehrere Klassen bekannt, die sich an diese Maximalzahlen nicht halten. An der letzten Landratssitzung vom 9. September 2016 wurde Regierungsrätin Monica Gschwind diesbezüglich denn auch von links bis rechts kritisiert.

Weil die Bildung von neuen Klassen wenn immer möglich aus Spargründen verhindert werden soll, wurden laut der Bildungsdirektorin in Laufen, Oberwil, Reigoldswil und Oberdorf insgesamt 8 Klassen bewilligt, die 25 oder sogar 26 Schulkinder zählen. Zusätzlich wurde von der basellandschaftlichen Zeitung auch in Allschwil nachgefragt, wo laut Schulleitung fünf Klassen geführt werden, die in einigen Fächern mehr wie 24 Schulkinder zählen. Die Überschreitung der Maximalzahl kommt daher, weil Schüler/-innen aus der Fremdsprachenklasse in einzelnen Fächern in Regelklassen integriert werden. Beispielsweise gibt es Schulkinder, die genügend gut Deutsch sprechen, um den Mathematikunterricht in einer Regelklasse zu besuchen. Wenn diese jedoch bereits 24 Schulkinder umfasst, dann kann durch die Integration von Schulkindern aus der Fremdsprachenklasse im Fach Mathematik die Maximalzahl überschritten werden. Da das Amt frür Volksschule (AVS) die Teilintegration der Schüler/-innen aus den Fremdsprachenklassen in Regelklassen nicht kennt, weil dies innerhalb der Schule geregelt wird, entsprechen die von ihr genannten 8 Klassen, in denen die Maximalzahl überschritten ist, in keinster Weise der Realität.

Als Zückerchen werden den Lehrpersonen, die Schulklassen mit mehr als 24 Schulkindern unterrichten, sogenannte zusätzliche Ressourcen angeboten. Zum Beispiel werden Fächer teilweise in Halbklassen unterrichtet, damit zumindest in einzelnen Stunden nicht derart viele Schulkinder im selben Raum sitzen und eine individuellere Förderung stattfinden kann.

Trotzdem kann es nicht angehen, dass der Paragraph 11 im Bildungsgesetz, der die Höchstzahl der Klassen bei 24 Schulkindern festschreibt, einfach übergangen wird. Monica Gschwind ist aufgefordert, hier schnellstmöglich korrigierend einzugreifen, damit alle Klassen auf maximal 24 Kinder gesenkt werden.
 

Aargau hält an bisherigem Fremdsprachenunterricht fest

Im Kanton Aargau wird es in Sachen Fremdsprachenunterricht bis frühstens 2020/2021 keine Änderungen geben. Obwohl die Sprachenstrategie der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) eine erste Fremdsprache ab der dritten Primarklasse und die zweite ab der fünften Primarklasse vorsieht, soll im Aargau die zweite Fremdsprache (Französisch) weiterhin erst ab der sechsten eingeführt werden. Aargau hält an dem bisherigen Konzept fest, weil auch viele andere Entscheide - zum Beispiel die Einführung des neuen Lehrplans - erst 2020/2021 durchgeführt werden. Auch der Ausgang der Abstimmung im Februar über die Einführung oder Ablehnung des Lehrplans 21 wird den Entscheid beeinflussen, ob der Fremdsprachenunterricht allenfalls auch nach 2020/2021 so fortgeführt wird wie bis anhin. Das Festhalten an der momentanen Fremdsprachensituation im Aargau zeigt, dass auch dort die Meinung zählt, dass der frühe Beginn mit einer Fremdsprache nicht unbedingt von Vorteil ist. 

Die Volksinitiative der Starken Schule Baselland geht noch einen Schritt weiter und will, dass auf der Primarstufe nur noch eine Fremdsprache unterrichtet werden soll. Damit dabei nicht gegen die verlangte Harmonisierung des Sprachenunterrichts verstossen wird, soll hier jedoch weiterhin Französisch als erste Fremdsprache (und gleichzeitg Landessprache) eingeführt werden und Englisch erst auf der Sekundarstufe dazukommen. Dies hätte zur Folge, dass sich die Schulkinder nicht bereits in so jungen Jahren - wenn sie teilweise nur wenig Kenntnisse in der deutschen Sprache haben - mit zwei Fremdsprachen abmühen müssten und sich auf wichtige Kernfächer konzentrieren könnten. Studien zeigen weiterhin, dass es für Schulkinder in fortgeschrittenem Alter nicht schwieriger ist, eine Fremdsprache zu erlernen, da sie dann bereits fortgeschrittenere Kentnisse in der Erstsprache (Deutsch) haben und diese anwenden können.

Eindrückliche Umfrageergebnisse

Die Zeitung 20 Minuten hat im Juli auf ihrer online Homepage zwei Umfragen zum Thema Lehrplan 21 gestartet und dabei sind Ergebnisse herausgekommen, die eindrücklich sind. Die erste Umfrage wurde im Rahmen der Lancierung der Initiative "JA zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen" gestartet.

Die an die Leser/-innen gerichtete Frage lautete: "Was halten Sie von der neuen Initiative des Komitees Starke Schule Baselland?". Insgesamt haben 398 Personen ihre Stimme abgegeben (Stand: 18.07.2016).
 

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass 59% der Befragten, die Lancierung der Initiative befürworten. 36% der Befragten sind dagegen und 5% haben noch nie vom Lehrplan 21 gehört. (Quelle: 20 Minuten. "Starke Schule Baselland will Lehrplan umbauen.")

Grund für die zweite Umfrage, die am 11. Juli auf der online-Seite von 20 Minuten gestartet wurde, war ein Interview mit Landrat Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige), der darin seine Kritikpunkte am Lehrplan 21 nennt (Interview siehe weiter unten). Da es im Artikel inhaltlich um den Lehrplan 21 ging, lautete die Frage dieses Mal: "Was halten Sie vom Lehrplan 21?". 190 Personen haben ihre Stimme abgegeben. (Stand: 18.07.2016)
 

 

17% der Personen haben sich für den Lehrplan 21 ausgesprochen und sehen ihn als Zukunft der Bildung. 79% sind dafür den Lehrplan sofort abzuschaffen und 4% interessieren sich nicht für Bildung.

Uns ist bewusst, dass beide Umfragen nicht repräsentativ sind, da mit 398 resp. 198 relativ wenige Personen Stellung bezogen haben. Trotzdem zeigen beide ein klares Bild auf: Bei beiden Umfragen gibt die Mehrheit der Personen an, gegen den Lehrplan 21 zu sein.
 

Interview mit Landrat Jürg Wiedemann, erschienen am 11. Juli in 20 Minuten

Herr Wiedemann, das Komitee Starke Schule lancierte vor wenigen Tagen seine zwölfte Initiative. Diese will den Lehrplan 21 umbauen. Was stört sie an diesem?
Der Lehrplan 21 bringt eine völlig neue Ideologie in den Unterricht. Diese geht in die Richtung selbstorganisiertes Lernen. Dabei werden die Schulkinder sich selber überlassen. Die Lehrpersonen werden zu Lerncoaches degradiert und erteilen keinen fundierten Unterricht mehr. Dies führt zu einem Bildungsabbau.

Ihre neue Initiative verlangt «klare Themendefinitionen statt diffuse Kompetenzbeschreibungen». Wie sollen diese ihrer Meinung nach aussehen?
Die Lehrperson muss wissen, was sie in welchem Schuljahr behandeln muss. Deshalb sind die Stoffinhalte entscheidend. Die Kompetenzbeschreibungen des Lehrplan 21 sind sehr diffus, nicht messbar und können unterschiedlich interpretiert und umgesetzt werden. Das trägt wenig zur Harmonisierung unserer Schulen bei.

Dann wird statt nach Lehrplan nach dem Gesetz unterrichtet. Ist das nicht das Gegenteil einer starken Schule?
Im Bildungsgesetz werden zahlreiche Leitplanken vorgegeben. Eine weitere könnte sein, dass die Lehrpläne klar definierte Lerninhalte enthalten. Beim Inhalt darf es keinen Interpretationsspielraum geben. Algebra kann nicht in einer Klasse im zweiten und in einer anderen im dritten Sekundarschuljahr unterrichtet werden. Was Lehrpersonen benötigen, ist jedoch Methodenfreiheit. Genau diese schränkt der Lehrplan 21 massiv ein. Er erzwingt unter anderem das selbstorganisierte Lernen, mit dem viele – vor allem leistungsschwächere Kinder – erhebliche Mühe haben. Wir wollen fachlich und methodisch fundierte Lehrpersonen, die alle Jugendlichen gleichermassen fördern.

Ihr Komitee hat kürzlich schon die Sammelfächer zu Fall gebracht. Wer macht denn nun die Bildungspolitik im Baselland? Sie oder Bildungsdirektorin Monica Gschwind?
Die Eckpfeiler gibt das Volk und die Politik an. Selbstverständlich muss Monica Gschwind die Bildungspolitik umsetzen. Sie macht bislang eine gute Arbeit. Mit ihrer guten Aufklärungspolitik während der Abstimmungskampagne hat sie wesentlich dazu beigetragen, dass die Sammelfächer verhindert werden konnten.

Monica Gschwind ist eigentlich ihre Chefin, aber Sie bestimmen weitgehend ihre Politik. Warum kandidierten Sie nicht selbst für Gschwinds Regierungsratsamt?
Ich würde die Arbeit bei weitem nicht so professionell machen wie Monica Gschwind. Unsere Politik richtet sich nicht gegen sie sondern gegen Auswüchse der Bildungsreformen. Als Regierungsrätin kann sie sich aber nicht mehr so pointiert dagegen äussern. Wir haben viele Initiativen eingereicht, die sich gegen das Gedankengut richten, das die Verwaltung während der Ära von alt Regierungsrat Urs Wüthrich ausgeheckt hat. Monica Gschwind muss das jetzt ausbaden. Unsere Initiativen stärken auch ihre Position, wenn sie innerhalb der Verwaltung in diese Richtung arbeitet.

Manche Leute werfen Ihnen vor, eigennützig zu handeln. Das Politblog arlesheimreloaded schreibt: «Nichts kümmert diesen Streitbaren mehr als die Frage: Wie kann ich das Baselbieter Schulsystem nach meinem Gusto zurechtbiegen?» Wie legitimieren Sie ihr politisches Handeln?
Das Volk hat am 5. Juni zwei unserer drei Initiativen angenommen. Es unterstützte unsere Kampagnen gegen die Abschaffung der Kaufmännischen Vorbereitungsschule sowie der Berufsvorbereitenden Schule. Wir konnten die Verkleinerung der Klassengrössen von 26 Kindern auf 24 erzwingen. Die grosse Unterstützung des Volkes bestätigt, dass wir mit unseren Anliegen nicht ganz falsch liegen.
 

Starke Schule lanciert neue Initiative

Lehrplan mit klaren Inhalten statt diffusen Kompetenzbeschreibungen

Heute, am 7. Juli 2016, lanciert die Starke Schule Baselland die Initiative "Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen". Bis Ende Oktober möchten wir die notwendigen 1'500 Unterschriften sammeln.

Die formulierte Gesetzesinitiative (siehe Unterschriftenbogen) will mit einem neuen Artikel im Bildungsgesetz verankern, dass die Stufenlehrpläne der Volksschulen ausschliesslich Stoffinhalte und Themen enthalten und dass diese massgebend sind. Kompetenzbeschreibungen sollen in einem separaten Anhang aufgenommen werden und den Lehrpersonen als Hilfeleistung dienen.

Mit dieser Initiative würden als Grundlage für den Unterricht auch künftig Inhalte und Themen dienen und nicht 3'500 teilweise abstrakte oder diffuse Kompetenzbeschreibungen, die kaum messbar sind und die jede Lehrperson anders interpretieren kann. Eine echte Harmonisierung der Schulen kann nur erreicht werden, wenn die Lerninhalte für jedes Fach und jedes Schuljahr klar definiert sind. Wechselt eine Familie ihren Wohnort von A nach B, erhalten die Kinder in der Schule fachliche Schwierigkeiten, wenn der Unterrichtsstoff nicht übereinstimmt. Dies war auch der Grundgedanke bei der Harmos-Abstimmung.

Bereits heute spielen Kompetenzen im Unterricht eine wichtige Rolle, die von Lehrpersonen durch ihren Stoffplan erreicht werden. Massgebend müssen aber auch künftig die Stoffinhalte und Themen bleiben. Nicht umsetzbare Kompetenzbeschreibungen als Mass aller Dinge im Lehrplan festzuschreiben, ist ein Rückschritt in den Bestrebungen die Schulen zu harmonisieren. Deshalb soll ein Katalog mit sinnvollen Kompetenzbeschreibungen in einem Anhang zu den Stufenlehrplänen aufgenommen werden und den Lehrpersonen als Hilfeleistung dienen.

Mit dieser Initiative wird auch die neue Philosophie "selbstorientiertes Lernen" (SOL) eingeschränkt. Diese neue Unterrichtsmethode zeichnet sich dadurch aus, dass die Schüler/-innen einen grossen Teil ihrer Unterrichtszeit z.B. in Grossraumklassenzimmern von bis zu 70 Kindern selber planen und organisieren müssen. Sie werden in dieser Zeit weitgehend sich selbst überlassen. Insbesondere leistungsschwächere Schüler/-innen haben damit erhebliche Schwierigkeiten und verfehlen die Lernziele deutlich. Die Schere zwischen den leistungsstärkeren und den leistungsschwächeren Schüler/-innen würde mit dem rein auf Kompetenzen aufgebauten Lehrplan 21 in der heutigen Version weiter auseinanderdriften.

Der Lehrplan 21 führt mittelfristig dazu, dass die Lehrpersonen die Schüler/-innen nicht mehr als Fachpersonen mit hoher Fachkompetenz unterrichten, sondern als Allrounder, die von vielem ein wenig, aber von nichts mehr ein fundiertes Wissen haben.  

Wir freuen uns, wenn Sie den Unterschriftenbogen ausdrucken und uns bis spätestens am 18. Oktober zurücksenden. Auf Wunsch senden wir Ihnen Unterschriftenbogen auch per Post zu.

Weitere Informationen finden Sie hier. Die Medienmitteilung zum Lancierungsstart der Initiative finden Sie hier.
 
 

Politische Fairness

von Alain Pichard, Felix Schmutz, Philipp Loretz, Urs Kalberer, Roland Stark, Hanspeter Amstutz. Erschienen in der BaZ vom 28.06.2016 in der Rubrik "Einspruch"

Einen Satz von Dr. Simone Pfenninger sollten sich alle Bildungspolitiker gut einprägen. Die Zürcher Sprachforscherin, die mit einer Studie belegte, dass Frühlerner gegenüber Spätlernen keinerlei Vorteile aufweisen, sagte: "Die Politik sollte endlich in einen ergebnisoffenen Dialog mit der Wissenschaft eintreten, der auf Fakten beruht!"
Was dann folgte, ist bekannt: Der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann liess zunächst verlauten: "Ich vertraue mehr auf Gespräche als auf Studien." Dann qualifizierte er in seiner Antwort auf eine Interpellation der Grossrätin Katja Christ die Pfenninger-Studie kurzerhand als "unwissenschaftlich". Schliesslich musste er zurückkrebsen: "Dazu muss ich ganz klar sagen, dass meine Kritik nicht auf die Studie und schon gar nicht deren Verfasserin zielt." (Basler Schulblatt, 11.06.2016)
Kurz darauf aber behauptete Eymann an einer Info-Veranstaltung des Basler Erziehungsdepartements erneut, dass die besagte Studie nichts über das Passepartout-Projekt aussage und deshalb nicht berücksichtigt werden könne (20..06.2016). Er bezeichnete den Beitrag eines Lehrers, der von den Anwesenden mit viel Applaus bedacht wurde, als unsachlich und polemisch - was von einem anderen Teilnehmer der Veranstaltung umgehend als vollkommen unbegründet zurückgewiesen wurde. In einem Interview mit der BaZ vom 24.06.2016 wiederholte Eymann seinen Vorwurf gegen ein Geschäfsleitungsmitglied des Basellandschaftlichen Lehervereins sogar.

Fazit: Unbequeme Befunde oder nur schon andere Meinungen werden mit aggressiver Polemik überzogen. Herr Eymann wirft allen kritischen Stimmen pauschal Unsachlichkeit und "Stammtischniveau" vor, schreckt selber aber regelmässig nicht vor unhaltbaren Aussagen zurück. Wenn dieser Stil zum Massstab in einer Sache wird, bei der es um einen dreistelligen Millionenbetrag geht, dann ist das ein Armutszeugnis für die politische Kultur im Land. Wer so viel Geld in einen gigantischen Schulversuch investiert, muss sich Kritik stellen, aber mit Argumenten, nicht mit reflexartigen Rundumschlägen. Die kommenden Auseinandersetzungen um schulische Neuerungen werden zeigen, ob die verantwortlichen Bildungspolitiker und die BIldungsbürokratie insgesamt willens sind, zu den Regeln politischer Fairness zurückzukehren. Reformen, die von oben herab dekrediert werden, sind zum Scheitern verurteilt.

61% sagen JA zur Weiterführung der Einzelfächer

Zweimal JA und einmal NEIN, insgesamt ein sehr gutes Ergebnis.

  • Das wuchtige JA von 84.6% zu unserer Initiative „Bildungsqualität auch für schulisch Schwächere“ bedeutet den klaren Willen der Bevölkerung, dass im Baselbiet weiterhin ein kaufmännisches Brückenangebot bestehen muss. Nach diesem klaren Volksentscheid ist es nicht mehr opportun, die Kaufmännische Vorbereitungsschule (KVS) in Reinach und Liestal schliessen zu wollen; eine Schule, bei der über 96% der Abgänger/-innen optimale Anschlusslösungen finden. Dieses deutliche JA zeigt, dass die Starke Schule Baselland nicht nur bei den Lehrpersonen, sondern auch bei der breiten Bevölkerung Vertrauen und Unterstützung geniesst.
  • Das klare JA der Stimmbevölkerung zur Bildungsvorlage „Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer“ mit 61.0% zeigt die deutliche Ablehnung der diffusen Sammelfächer und die Beibehaltung der bewährten Einzelfächer, die auch weiterhin einen qualifizierten, fundierten Fachunterricht ermöglichen. Das Stimmvolk hat erkannt, dass Sammelfächer zu einem Bildungsabbau führen würden.
  • Leider ging die Abstimmung zur Vorlage „Einführung Lehrplan 21“ mit 47.3% knapp verloren. Sicherlich war auch der Titel der Initiative missverständlich formuliert. Dennoch akzeptieren wir selbstverständlich auch dieses Abstimmungsresultat.

Offensichtlich hat das Volk Bedenken, Kompetenzen vom Bildungsrat hin zum Landrat zu verschieben. Das Stimmvolk will aber dem Bildungsrat klare Leitplanken setzen, wie das deutliche JA zur Festschreibung der Einzelfächern Geschichte, Geografie, Biologie, Physik, Chemie, Hauswirtschaft und Wirtschaft belegt. Die Starke Schule wird in den kommenden Wochen prüfen, ob und welche weiteren gesetzlichen Schranken der Bildungsrat erhalten sollte (z.B. bei der Kompetenzorientierung des Lehrplans 21, der Fremdsprachendidaktik „Passepartout“ oder dem „selbstorientierten Lernen“).

Die Starke Schule hat einen intensiven und erfreulicherweise auch erfolgreichen Abstimmungskampf hinter sich. Dass wir zwei von drei Bildungsvorlagen durchgebracht haben, besonders die richtungsweisende Vorlage „Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer“, bestätigt uns in unserer politischen Arbeit.

Wir danken den Dutzenden von Helfer/-innen für ihre Unterstützung in den vergangenen Wochen.

Hier finden Sie weitere Erfolge der Starken Schule.
 

Hier können Sie in den letzten Tagen und Wochen erschienene Leserbriefe lesen.

 
 

Selbstorganisiertes Lernen ist nicht zielführend

Mindestens so fragwürdig wie die 3'500 Kompetenzen ist das sogenannte "selbstorganisierte Lernen". Von allen Maturavorbereitenden der via Fernkurs unterrichtenden AKAD absolviert lediglich eine verschwindend kleine Anzahl die eidgenössische Maturität. Eine grosse Mehrheit gelangt gar nicht erst an die Prüfungen. Sie bricht ihre Vorbereitungen ab aus Mangel an Selbstdisziplin, wobei hier die Rede von Erwachsenen ist. Selbstorganisiertes Lernen ist in sozialdarwinistischem Sinne eine nahezu perfekte Methode zur Rekrutierung einer Elite, nicht aber zum Betreiben einer Volksschule.

Felix Hoffmann

Lehrplan 21 als Standortnachteil für die Wirtschaft

Gegenwärtig soll in verschiedenen Kantonen mit dem umstrittenen Lehrplan 21 die radikalste Änderung des Schulsystems seit Bestehen der Volksschule vorgenommen werden. Dass die Bedenken, die von der Lehrerschaft, besorgten Eltern und Pädagogikprofessoren, angemeldet wurden, ihre Berechtigung haben, zeigen die schlechten Resultate der LP21-Versuchsschulen, die mit der „Kompetenzorientierung“ und ihrem „selbstgesteuerten“ oder „selbstorganisierten Lernen SOL“ den bewährten Klassenunterricht weitgehend abgeschafft und qualifizierte Lehrer zu „Lernbegleiter“ degradiert haben. Die Schüler werden allein gelassen, in dem es ihnen überlassen wird, wann, wie, wo und ob sie lernen wollen. Die übereilte Einführung dieser wissenschaftlich nicht abgesicherten „Neuen Lernformen“ könnte für die Pionierkantone und deren Gewerbe zu einem wirtschaftlichen Standort-Nachteil werden, wie das der Reformpionierkanton Basel-Stadt schon einmal schmerzlich erleben musste.
Basel-Stadt hat mit dem Schulgesetz von 1988 eine Reihe von sogenannt fortschrittlichen Schulreformen eingeführt und damit in der Schweiz eine Vorreiterrolle übernommen. Bereits fünf Jahre später (Basler Zeitung vom 12.10.93) zeigten sich jedoch die ersten negativen Resultate: Ein Ausbildungsleiter einer grossen Basler Chemiefabrik meldete, dass von 45 Lehrverträgen für Chemie-Laboranten nur noch einer mit einem Stadt Basler Schulabgänger abgeschlossen werden konnte. 1995 berichtete der Generaldirektor des Schweizerischen Bankvereins in einer Sondersitzung des Basler Grossen Rates zum Problem der nachlassenden Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Basel (NZZ vom 3.4.95) über die gravierenden Auswirkungen der Basler Schulreformen. Der Bankverein könne nur noch 20 Prozent seiner Lehrlinge aus dem Kanton Basel-Stadt rekrutieren. Wie die Ergebnisse der Eignungstests für das Medizinstudium zeigten, waren mittlerweile auch die Maturanden Opfer der Schulreformen geworden. In den 1990er Jahren haben die Stadt-Basler Bewerber beim Eignungstest für das Medizinstudium gesamtschweizerisch am schlechtesten abgeschnitten.

Obwohl der Zusammenhang mit den umstrittenen Schulreformen offensichtlich war, konnte der Kanton Basel-Stadt unbehindert seinen Reformkurs weiterführen. Die einst als „fortschrittlich“ hochgelobte Orientierungsschule war 2015 kaum ganz abgeschafft, als Basel-Stadt als Pionierkanton direkt auf den „Lehrplan 21“-Zug aufsprang. Das veranlasste beteiligte Lehrer zu folgenden Bemerkungen: «Einmal mehr dienen wir und die Schulkinder dem Erziehungsdepartement als Versuchskaninchen. Bereits die Einführung der Orientierungsschule als Basler Unikum sei ein einziges Experiment und ein riesiger Fehler gewesen. Und jetzt passen wir unser System dem Rest der Schweiz an, noch bevor die anderen Kantone die Neuerung selber umsetzen.» („Neuer Lehrplan ohne Bücher“, Basler Zeitung, 27.10.2015)

Peter Aebersold