Starke Schule Baselland

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Finanzielle Unterstützung: 3x JA

Über folgende Initiativen wird am 5. Juni 2016 abgestimmt:

1. Verzicht auf Sammelfächer
2. Lehrplan 21 sinnvoll überarbeiten
3. Bildungsqualität auch für schulisch Schwächere (KVS)

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Hier können Sie in den letzten Tagen und Wochen erschienene Leserbriefe lesen.

 
 

Sammelfächer sind zum Scheitern verurteilt

Die Einführung von Sammelfächern führt zu einem Bildungsabbau. Denn ein Einzelfach wie Geografie deckt ein riesiges Spektrum an Themen ab, die an den Sekundarschulen meist nur gestreift werden. Mit zwei Stunden pro Woche bieten die Geografie-Lehrer einen wichtigen Einblick in einige Teilgebiete ihres Fachs. Auch im Fach Geschichte stehen im heutigen Stundenplan zwei Wochenlektionen zur Verfügung, damit historische Ereignisse fundiert behandelt werden können. Für das Sammelfach „Räume, Zeiten, Gesellschaften“, das künftig Geografie und Geschichte abdecken soll, sind wöchentlich insgesamt nur noch drei Lektionen vorgesehen. Damit ist die Vermittlung eines gleichwertigen Anteils an Wissen nicht mehr möglich. Die Folge ist ein ungewünschter Bildungsabbau.

Wer davon ausgeht, dass vernetztes Denken nur mit Hilfe von vorgeschriebenen Fächerkombinationen zustande kommt, kennt die heutigen Normen im Schulunterricht nicht. Die allermeisten Lehrpersonen unterrichten heute bereits vernetzt. Fächerübergreifende Blockwochen und Projektarbeiten sind Standard. Beteiligt sind dabei in der Regel mehrere Lehrpersonen, die alle in ihren Fächern über fundierte Kenntnisse verfügen und eine hohe Unterrichtsqualität sicherstellen. Sammelfächer sind weder sinnvoll, noch bringen sie einen Bildungsmehrwert. Sie führen einzig dazu, dass die Qualität des Unterrichts sinkt, wie das folgende Beispiel plausibel macht.

An der Pädagogischen Hochschule (PH) sollen Sekundarlehrpersonen weiterhin in drei Unterrichtsfächern ausgebildet werden. Lässt sich eine Lehrperson in den Schulfächern Deutsch, Englisch und "Natur und Technik" ausbilden, so sind das im Vergleich zu heute fünf Einzelfächer: Deutsch, Englisch, Biologie, Chemie und Physik. Der quantitative Anteil pro Fach wird im Vergleich zur Fachausbildung an der Universität markant reduziert: Statt nur in drei Fächern müssen sich die angehenden Lehrpersonen in fünf Fächern ausbilden lassen - und das in weniger Ausbildungszeit.

Die Einführung der Sammelfächer ist auch teuer. Der Einkauf von neuen Lehrmitteln und die kostspieligen Weiterbildungen der Lehrpersonen verschlingen finanzielle Ressourcen, die der Steuerzahler berappen muss. Dabei gibt es auf dem Markt bereits zahlreiche ausgezeichnete Lehrmittel, die in den Einzelfächern eingesetzt werden können. Mit der Universität und der PH leisten wir uns zudem zwei Bildungsinstitute, welche die Sekundarlehrpersonen fachlich ausbilden. Bleiben wir bei Einzelfächern, könnte durch einen Verzicht auf die zusätzliche Fachausbildung an der PH ein Millionenbetrag eingespart werden. Der Universität, die bereits heute alle Einzelfächer anbietet, entstehen dadurch keine relevanten Mehrkosten.

Sammelfächer sind bereits heute zum Scheitern verurteilt. Diese trotz des grossen Widerstands zahlreicher Lehrpersonen einführen zu wollen, wäre fatal, zumal auch der Kanton Aargau an den Sekundar- und Bezirksschueln bei Einzelfächern bleibt.

Gastbeitrag von Saskia Olsson (Geschäftsleiterin Starke Schule Baselland) erschienen in der Tageswoche vom 20.05.2016

Deshalb stimme ich Ja

Keine Sammelfach-Luftschlösser

Die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) will gegen den Willen einer überwiegenden Mehrheit der Lehrpersonen von fast 75 Prozent die Einzelfächer Geschichte, Geografie, Biologie, Physik, Chemie, Hauswirtschaft und Wirtschaftskunde abschaffen und den Sekundarschulen nebulöse Sammelfächer aufzwingen, was gemäss breiten Fachkreisen einem einschneidenden Qualitätsabbau gleichkäme. Die von Tehoretikern in Bern forcierten Sammelfächer sind extrem teuer; sie verschlingen Millionen in zweistelliger Höhe ... ohne jeglichen Bildungsmehrwert. Selbstverständlich kommt ein Geschichtslehrer ohne geografische Aspekte nicht aus. Dennoch ist das noch lange kein Grund, die beiden Einzelfächer Geschichte und Geografie abzuschaffen und durch ein wenig aussagekräftiges Sammelfach "Räume, Zeiten, Gesellschaften" zu ersetzen. Innerhalb kurzer Zeit ginge den Schülern und Schülerinnen in diesen Fächern wichtiges Basiswissen verloren. Noch schlimmer verhält es sich bei den Fächern Biologie, Chemie und Physik, die als exakte Wissenschaften fachlich derart heruntergebrochen werden müssten, um sie vereint als "Natur und Technik" zu banalisieren.
Sollen Fächern, die dem Industrie-Standort in unserer Region zur wirtschaftlichen Blüte verholfen haben, auf ein erschreckendes Mass an Belanglosigkeit redimensioniert werden? Wie wenig durchdacht diese geplante Abschaffung der Einzelfächer ist, erkennt man daran, dass die weiterführenden Schulen wie Gymnasien die Notwendigkeit der Einzelfächer erkannt haben und diese beibehalten. Die Sammelfächer würden durch notwendige Weiterbildungen der Lehrpersonen gewaltige Finanzen verschlingen, was der Steuerzahler berappen müsste. Zudem müssten komplett neue Lehrmittel angeschafft werden, während die bewährten im Reisswolf landen.
Auf dem Markt existieren viele gute und kostengünstige Lehrmittel für Einzelfächer. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass neu entwickelte Lehrmittel immer teurer werden. So zum Beispiel das Mathematiklehrmittel "Mathbuch" oder das neue Französisch-Lehrmittel "Mille Feuilles", welches als Einwegbuch elfmal so viel kostet wie das Vorgängerlehrmittel.
Die Universität bietet nur Einzelfächer an. Deshalb müsste die gesamte Ausbildung der zukünftigen Sekundarlehrpersonen an der Pädagogischen Hochschule (PH) durchgeführt werden. Die hätte zwei fatale Folgen: Erstens liegt die Fachausbildung an der PH quantitativ nur bei maximal einem Drittel von derjenigen an der Universität. Zweitens leisten wir uns mit der Lehrerausbildung an der Universität und der PH eine teure Doppelspurigkeit. Erfolgt an der PH nur noch die methodische, didaktische Ausbildung und die Fachausbildung an der Uni, so könnten an der PH Millionen eingespart werden, ohne relevante Mehrkosten an der Universität. Dem Kanton geht es finanziell nicht gut, Auf solche Zweigleisausbildungswege sollten wir verzichten.
Sammelfächer bringen aus pädagogischer Sicht wenig, da bereits heute fächerübergreifend unterrichtet wird, zum Beispiel während Projektarbeiten, an welchen mehrere Lehrpersonen, alles Experten, beteiligt sind. Dies garantiert schon heute ein vernetztes Lernen, aber auf einem hohen fachlichen Niveau. Das Baselbiet benötigt keine Sammelfach-Luftschlösser.

Regina Werthmüller (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland)

Gastbeitrag von Jürg Wiedemann (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland), erschienen in der BaZ vom 18.05.2016

Lehrplan unter Ausschluss der Öffentlichkeit entwickelt

Für die Gesellschaft und die Wirtschaft haben die an Volksschulen verwendeten Lehrpläne beachtliche Auswirkungen. Deshalb sind sie von legitimem öffentlichem Interesse. Der Lehrplan 21 wurde unter Ausschluss des Meinungsbildungsprozesses der Schulen im stillen Kämmerlein ausgearbeitet. Federführend war ein Kabinett, sprich die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), welche ohne Auftrag und ohne Legitimation einen Lehrplan mit einer völlig neuen Ideologie erarbeitet hat und jetzt den Schulen aufzuzwängen plant. Interne kritische Stimmen wurden übergangen. Diese Heimlichtuerei ist nicht im Sinne unserer Rechtsstaatlichkeit und ein Hintergehen des Stimmvolkes. Die Art und Weise wie die EDK den Lehrplan 21 mit derart gravierenden Veränderungen an der öffentlichen Meinung wie auch an kritischen Fachleuten hat vorbeischmuggeln wollen, ist mit unseren Grundwerten nicht zu vereinbaren. In unserem System der direkten Demokratie ist es opportun, sich einer sachlichen Auseinandersetzung zu stellen.

Gemäss Umfrage der Bildungsdirektion lehnen 60% der Lehrpersonen den kompetenzorientierten Lehrplan 21 ab. Sie erachten ihn als erhebliches Risiko für die Schüler/-innen bei der schulischen Entwicklung. Die Politik muss diese grossen Bedenken der Fachexperten, der Lehrpersonen ernst nehmen. Deshalb ist es richtig, mit der landrätlichen Bildungskommission (BKSK) ein zusätzliches Gremium zur Absicherung einzubauen. Die BKSK besteht ebenfalls aus Fachexperten in Bildungsfragen und hat die notwendige Kompetenz den Lehrplan 21 zu überprüfen und dem Landrat Antrag zu stellen. Dieser kann dann den Lehrplan absegnen oder  an den Bildungsrat zurückweisen. Die Kompetenz den Lehrplan zu verändern erhält der Landrat mit der Bildungsvorlage "Lehrplan 21", über die wir am 5. Juni abstimmen, nicht.

Faktisch ändert sich damit an der heutigen Situation nur wenig. Ein Ja am 5. Juni hat jedoch eine gewichtige Konsequenz, die nur für diesen einen Fall „Lehrplan 21“ gilt. Bis anhin konnte der Bildungsrat autonom und abschliessend einen neuen Lehrplan beschliessen. Er musste keine anderen Meinungen von Fachleuten einholen. Stimmt das Volk am 5. Juni zur Bildungsvorlage aber zu, so wird der Bildungsrat sich mit den Schulen und der landrätlichen Bildungskommission absprechen und einen ausgewogenen, gesellschaftlich und schulpolitisch mehrheitsfähigen Lehrplan präsentieren müssen.

Dass ehemalige Mitglieder des Bildungsrates das eigene Gremium trocken als Abnickgremium bezeichnen, führt zwangsläufig bei dessen Mitgliedern zu emotionalen Ausbrüchen. Nüchtern betrachtet muss jedoch klar festgehalten werden, dass die Bildungsräte zwar hoch engagiert, aber weder zeitlich noch fachlich in der Lage sind, eine derart komplexe Materie wie die Erarbeitung von Lehrplänen adäquat zu überblicken. Mit einer oder zwei Sitzungen pro Monat verfügt der Bildungsrat auch nicht über hinreichende Ressourcen für eine derart umfangreiche Arbeit. Die Realität sieht deshalb – wie Kenner bestätigen –  wie folgt aus: Die Bildungsdirektion resp. Verwaltungsleute arbeiten eine Vorlage fixfertig aus und präsentieren diese dem Bildungsrat. Dieser stellt Fragen und diskutiert die zum Teil sehr umfangreichen und komplexen Vorlagen. Dass gegen die Fachexperten der Verwaltung, die täglich nichts anderes machen, bei der Beratung nur schwer Paroli zu bieten ist, liegt auf der Hand. Deshalb verwundert es auch nicht, dass der Bildungsrat mangels zeitlicher Ressourcen und Fachkompetenz die Vorlagen in den meisten Fällen ohne relevante Änderungen absegnen muss. Für ein normales Miliz-Bildungsratsmitglied, das nicht hauptberuflich mit Bildung zu tun hat, ist es verständlicherweise praktisch unmöglich zu entscheiden, was pädagogisch sinnvoll und umsetzbar ist.

Schneewittchen und die sieben Einzelfächer

Vom Märchen über die Sammelfächer

Gastbeitrag von Pascal Ryf (Schulleiter Primarschule Allschwil und CVP-Landrat), erschienen am 10.5.2016 in der BaZ

Die Zahl sieben war bereits in der babylonischen Kultur Zeichen für Wissbegierde und Vollkommenheit. Die Zahl Sieben trägt, was vollendet ist. Nicht von ungefähr begegnet uns diese Zahl auf vielfältige Weise: sieben Wochentage, sieben Weltwunder, sieben Tugenden oder in Märchen wie „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. So manches Märchen lesen wir auch über die Sammelfächer. Wer dagegen ist, fördere zu wenig das vernetzte Denken, schaffe eine Bildungsinsel oder sei einfach ein müder Lehrer, der sich gegen Reformen stellt. Ich frage mich: „Spieglein, Spieglein an der Wand“ – was ist das Beste für die Bildung in unserem Land?

Heute haben Sekundarschüler je 2 Lektionen Geschichte und Geografie pro Woche. Das neue Sammelfach „Räume, Zeiten, Gesellschaft“ (RZG) käme insgesamt auf lediglich 3 Wochenlektionen zu stehen. Ebenso sollen die Fächer Biologie, Chemie und Physik zum Fächerverbund „Natur und Technik“ zusammengeführt werden. Praktizierende Lehrpersonen sind oft nicht in allen Fächern eines Fächerverbundes ausgebildet. Abhilfe schafft die Pädagogische Hochschule FHNW mit einem Zertifikatslehrgang: Wer in einem der Fächer Biologie, Chemie oder Physik ausgebildet ist, belegt den CAS (Certificate of Advanced Studies) „Fachdidaktik Natur und Technik“. Sieben Samstage genügen und die Ausbildung zum Chemielehrer ist vollendet dies wohl nicht ganz im Sinne des babylonischen Zeichenverständnisses. Dazu kommen noch 3 Tage Schulpraktikum und eine Abschlussarbeit. Zum Schnäppchen von CHF 11'130.00, der finanzstarke Kanton Basel-Landschaft übernimmt die Kosten, können auch noch die Module Physik oder Biologie besucht werden. Ein Schelm, wer hier an eine Schnellbleiche denkt. Der ganze Kurs wird mit 15 Kreditpunkten (ECTS) ausgewiesen. Für ein Bachelorstudium in Chemie als Nebenfach werden an der Universität 60 Kreditpunkte verlangt!

Ein guter Schulunterricht erfordert fachlich sattelfeste Lehrpersonen und nicht Generalisten, die von allem ein wenig, aber von nichts viel wissen. Lehrpersonen mit unzureichender fachlicher und fachdidaktischer Kompetenz sind nicht nur eine Gefährdung für die Unterrichtsqualität und das Ansehen des Berufsstandes, sondern insbesondere im Fach Chemie ein veritables Sicherheitsrisiko. Auch kommen Disziplinarprobleme häufiger vor, wenn ein Lehrer seiner Aufgabe nicht gewachsen ist. So erstaunt es auch nicht, dass in einer Umfrage des Lehrervereins Basel-Landschaft 73% aller Sekundarlehrpersonen sich gegen die Sammelfächer ausgesprochen haben. Nicht weil sie Angst vor weiteren Reformen haben, sondern weil sie das Risiko des Bildungsabbaus höher einschätzen als ein möglicher Gewinn.

Trotz anderslautender Behauptungen sind die Einzelfächer mit dem Lernplan21 kompatibel. Dieser verlangt nämlich nicht, dass in Integrationsfächer unterrichtet werden muss. Auch das Schreckensgespenst der „Bildungsinsel“ greift zu kurz: Während im Kanton Aargau zwar in der Realschule (Niveau A) naturwissenschaftliche Fächer im Integrationsfach „Realien“ unterrichtet werden, findet in der Sekundar- und Bezirksschule (Niveau E/P) Unterricht in Einzelfächern statt. Vernetztes Denken ist nicht an Sammelfächer gebunden. Sehr wohl vorausgesetzt ist dafür aber das ganzheitliche Beherrschen seiner Bausteine und Werkzeuge. Auch heute entwickeln engagierte Lehrpersonen Unterrichtseinheiten, in welchen sie zwei oder drei Fächer verbinden. Statt Geografie und Geschichte in das enge RZG-Korsett zu zwingen, können im Geschichtsunterricht auch Bezüge zu Musik, Politik, Kunst oder Literatur geschaffen werden. Diese Interdisziplinarität ist höchst spannend, deswegen verlangt aber niemand, Geschichte und Deutsch in einem Sammelfach zu integrieren.

Befürworter von Sammelfächer führen gerne wissenschaftliche Studien ins Feld, um ihre Argumente zu unterlegen. Doch ebendiese Publikation in „Science Education between science and the teaching“ kommt zum Schluss, dass „fächerübergreifender naturwissenschaftlicher Unterricht im PISA-Test zu den gleichen Resultaten führt wie gefächerter Unterricht“ und „es politischer einfacher ist bei einem Integrationsfach zu sparen als beim Zweistundenfach Physik“.

Wenn also die Lehrpersonen schlechter ausgebildet, Geografie und Geschichte um eine Wochenlektion abgebaut, Sammelfächer als Sparmassnahme durchgesetzt werden, der Kanton Millionen für Schnellbleichen ausgeben soll und für die Jugendlichen kein Mehrwert entsteht, fällt es leichter ans Schneewittchen zu glauben als an einen Bildungszuwachs. „Spieglein, Spieglein an der Wand“ – die Wähler im Kanton Baselland haben es in der Hand.
 

Schulen sind keine Wirtschaftstrainingscamps

(Leserbrief von Michael Pedrazzi als Reaktion auf den Artikel "Es geht um die Jugend, nicht um die Lehrer" erschienen am 30.4.2016 in der bz)

Handelskammerdirektor Franz Saladin glaubt, die Annahme der Initiative "Lehrplan 21" führe zu einem Scherbenhaufen. Offenbar will er die Vorlage nicht verstehen. Mit einem Ja zur Vorlage würde der Landrat ein einziges Mal als zweitinstanzliches Gremium einen Beschluss des Bildungsrates abzusegnen haben - bei einer derart komplexen und hoch umstrittenen Materie wie dem Lehrplan 21 durchaus verständlich. Die inhaltliche Arbeit bliebe weiterhin beim Bildungsrat. Saladins Angst vor einem "Bildungsabseits" ist längst überholt - kaum ein Kanton folgt mittlerweile linientreu dem von der EDK von oben verordneten Versuch einer ideologischen Gleichschaltung. Kein Wunder, versucht er die Schule mit Checks, Controlling und ähnlichem Vergleichswahn "wirtschaftstauglich" zu machen. Gerade solche Leute sind es, die in der Bevölkerung mit ihrer Angstmacherei Unsicherheit verursachen.

"Die Lerninhalte kommen zu kurz"

Interview mit Saskia Olsson, erschienen am 23.04.2016 in der Basler Zeitung.

BaZ: Statt die Experten im Bildungsrat sollen die Volksvertreter im Landrat über die Einführung des Lehrplans 21 bestimmen. Weshalb?

Saskia Olsson: Durch diese Vorlage wird der Bildungsrat nicht entmachtet. Bei der Einführung des Lehrplans 21 handelt es sich um einen Entscheid von grosser Bedeutung. Deshalb soll der Landrat, der vom Volk gewählt wurde, als zweite Instanz das vom Bildungsrat erarbeitete Resultat begutachten und absegnen. So hat der Landrat die Möglichkeit, wenn das nötig sein sollte, den Lehrplan nochmals an den Bildungsrat zur Überarbeitung zurückzugeben.

Wir stimmen über diese Verlagerung der Entscheidungskompetenz ab. Wäre es nicht sinnvoller, an der Urne gleich über den Lehrplan 21 als solchen abzustimmen? 

Damit wäre zwar der Lehrplan 21 infrage gestellt, nicht aber das Konzept dahinter. Unser Ziel ist es, die Philosophie, die dem Lehrplan 21 zugrunde liegt und die zu einem Bildungsabbau führt, zu verhindern. Wenn das Volk bloss nein zum Lehrplan 21 sagen würde, wäre das Risiko gross, dass der Bildungsrat künftig wieder einen Lehrplan Volksschule vorlegen würde, der genau auf der gleichen Philosophie basiert.

Eine Schwierigkeit ist, dass der Lehrplan 21 auf der Primarschulstufe bereits eingeführt wurde, obwohl ein Volksentscheid noch bevorsteht. Ist es zu verantworten, auf diesen Entscheid allenfalls nochmals zurückzukommen? 

Diese Vorlage trifft ausschliesslich den Lehrplan 21 auf der Sekundarstufe 1. Die Primarstufe ist durch diese Gesetzesänderung explizit nicht betroffen.

Die Vorlage sieht auch vor, dass der bereits eingeführte Lehrplan 21 vom Landrat nachträglich genehmigt werden müsste. 

Der Lehrplan 21 ist auf der Sekundarstufe, auf die sich dieses Gesetz beschränkt, noch nicht eingeführt. Diese Klausel garantiert nun, dass der Lehrplan auf der Sekundarschule nicht eingeführt werden kann bis dieses Gesetz in Kraft tritt. Und sollte der Bildungsrat trotz sämtlicher Kritik der Fachexperten und Pädagogen den Lehrplan dennoch einführen, so könnte dies durch den Landrat wieder rückgängig gemacht werden.

Die Starke Schule kritisiert den Lehrplan 21 schon sehr lange. Immerhin wurde auch eine erste Fassung dieses Lehrplans nochmals überarbeitet. Weshalb reichen Ihnen diese Korrekturen nicht? 

Der Lehrplan 21 enthält weiterhin rund 3500 zum Teil abstrakte und nicht umsetzbare Kompetenzbeschreibungen. Die Lerninhalte und die zu behandelnden Themen kommen deutlich zu kurz. Deshalb halten wir an unserer Kritik fest. Uns stören die Indoktrination und der Zwang zur ständigen Selbstreflexion.

Haben Sie etwas dagegen, dass Betriebe, die Lehrlinge suchen, sich auf messbare Resultate abstützen können? 

Die Kompetenzen im Lehrplan 21 sind viel zu theoretisch und können gar nicht gemessen werden. Wer will schon wissen, ob Schülerinnen und Schüler beispielsweise "fremde Kultur reflektieren" können? Wie sollen die Lehrpersonen die Erreichung dieser Kompetenz beurteilen? Entscheidender ist doch, welches Wissen und welche Fähigkeiten sich die Schüler aneignen. Eine Schulharmonisierung kann nicht erreicht werden, solange die Lerninhalte und der Schulstoffe nicht pro Fach und für jedes Jahr klar definiert sind. Das geht einfach nicht mit diesen Wischi-waschi-Kompetenzbeschreibungen, die jeder anders interpretiert.

Die Welt hat sich verändert. Inhalte sind heute einfacher abrufbar, wenn man sie wirklich braucht.

Auch heute sollte man über ein gutes Allgemeinwissen verfügen. Nur so ist zum Beispiel ein vernetztes Denken möglich. Es ist erschreckend, wie wenig wir uns auf unser Wissen verlassen und  jede Kleinigkeit googeln.

Sie kritisieren auch, dass der Lehrplan 21 ein Einheitslehrplan ist und nicht nach verschiedenen Niveaus differenziert. Richtig?

In den Klassenzimmern wächst die Heterogenität zunehmend. Deshalb halten wir die drei Leistungsprofile A, E und P für wichtig, damit die Lehrpersonen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Schüler eingehen können. Es ist wenig sinnvoll, von Schülern, die später eine akademische Laufbahn ergreifen möchten, dieselben Lernziele zu verlangen, wie von solchen, die sich auf eine Berufslehre vorbereiten. Wir streben Lehrpläne an, die auf jedes einzelne Profil ausgerichtet sind. Nur so kann die Schule allen Jugendlichen gerecht werden.

Weshalb setzt das Komitee Starke Schule Baselland auf Volksentscheide? Sie könnte Ihre Energie auch darauf konzentrieren, auf das Parlament oder den Bildungsrat einzuwirken?

Bei zwei der jetzt anstehenden drei Bildungsvorlagen handelt es sich um Parlamentarische Initiativen von Landrat Jürg Wiedemann. Wir haben diese beiden Vorstösse ausgearbeitet und durch ihn einreichen können. Das Parlament hat die beiden vorgeschlagenen Gesetzesrevisionen befürwortet.  Deshalb kann das Stimmvolk am 5. Juni darüber entscheiden. Auf diesen Weg setzen wir weiterhin. Eben erst war Regina Werthmüller, die ebenfalls dem Vorstand der Starken Schule angehört, mit der Motion "Stufenlehrpläne mit transparentem Inhalt" erfolgreich. Ihr Vorstoss verlangt  Lehrpläne,  in welchem die  Inhalte massgebend sind und nicht abstrakte  Kompetenzbeschreibungen.

Bei den kantonalen Wahlen hat die Starke Schule die heutige Bildungsdirektorin Monica Gschwind unterstützt. Noch hat Frau Gschwind keine wirkliche Richtungsänderung vorgenommen. Stellt sich die Starke Schule hinter die Politik der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion?

Dank Monica Gschwind  erhalten die Sekundarschulen einen Übergangslehrplan und eine Übergangsstundentafel, welche keine Sammelfächer vorsieht. Wir gehen davon aus, dass die Bildungsdirektorin nach dem Ja zur erwähnten Motion von Regina Werthmüller auch den Lehrplan Volksschule entsprechend gestaltet und die Kompetenzen in den Hintergrund rücken werden. Wir sind mit der Politik der Bildungsdirektorin in vielen Punkten einverstanden. Differenzen erkennen wir in gewerkschaftlichen Punkten und bei einzelnen Sparmassnahmen. Vieles, was uns stört,  hat ihr Vorgänger eingeleitet und sie muss es jetzt ausbaden. Diese Situation ist nicht ganz einfach.

Sie stellen sich auch gegen die Sammelfächer des Lehrplans 21. Weil sie kostentreibend sind, wie es im Titel der Vorlage heisst?

Die Einführung von Sammelfächern ist extrem teuer. Die Weiterbildungen der Lehrpersonen und die Neuanschaffung der Lehrmittel kosten viel. Dazu kommt, dass die künftige Ausbildung für die Sammelfächer nur noch an der Pädagogischen Hochschule der FHNW möglich wäre und nicht mehr an der Universität, die nur  Einzelfächer anbietet. Sammelfächer können zudem nur noch von Allroundern unterrichtet werden, die in jedem einzelnen Fach ein signifikant tieferes Fachwissen verfügen. Der Verzicht auf Lehrer mit fundiertem Wissen bedeutet ein Qualitätsabbau des Fachunterrichtes und damit Bildungsabbau.

Geht es Ihnen um die Lehrer oder um die Schüler? Sind Sie generell gegen einen fächerübergreifenden Schulunterricht für die Sekundarschüler?

Ich befürchte, dass Sammelfächer von Lehrpersonen mit geringerem Fachwissen unterrichte werden und so die Unterrichtsqualität abnimmt. Die Schülerinnen und Schüler erhalten so das Wissen nicht mehr in der nötigen Tiefe vermittelt.

Nochmals, wie stehen Sie zum fächerübergreifenden Unterricht?

Heute werden ja schon längst Themen fächerübergreifend und vernetzt behandelt, zum Beispiel auch in vielen Projektarbeiten. In solchen Projekten sind aber mehrere Lehrpersonen beteiligt, die in ihrem Fach jeweils grosse Kenntnisse haben. Dies garantiert ein Unterricht in der notwendigen Tiefe. Unterrichten Allrounder ein Sammelfach, so nimmt die fachliche Qualität unweigerlich ab.  Sammelfächer braucht es gar nicht. Strikte Vorgaben wie vorgeschriebenen Fächer sind eher hinderlich. Bereits heute wird etwa die Geografie auch mit Englisch oder Physik verknüpft.

Basel-Stadt hat den Lehrplan 21 und die Sammelfächer bereits eingeführt. Wie wichtig wäre es, dass die Kantone der Nordwestschweiz ihr Schulsystem vereinheitlichen?

Das wäre durchaus wünschenswert. Die Starke Schule ist für eine echte Schulharmonisierung. Ziel der Harmonisierung war ursprünglich, den Familien einen Wohnungswechsel über die Kantonsgrenze zu erleichtern. Mit dem Lehrplan 21 wird das in keiner Weise erreicht. Es braucht eine echte Harmonisierung ohne dass die Bildungshoheit der Kantone überstrapaziert wird.

Reden Sie und die Starke Schule Baselland auch mit Bildungsfachleuten und -politikern aus anderen Kantonen?

Es finden lose Gespräche statt und wir informieren uns gegenseitig. Auch in anderen Kantonen wurden Initiativen zum Lehrplan 21 lanciert. Wir stellen fest, dass unsere Harmos-Ausstiegsinitiative auch  Gruppierungen in anderen Kantonen dazu motiviert hat, aktiv zu werden.

Umfrage-Ergebnisse der BKSD bestätigen:

Sammelfächer, Lehrplan 21, niveaugemischter Unterricht und Passepartout fallen bei den Lehrpersonen durch

Durch die heute veröffentlichten Umfrage-Ergebnisse der BKSD wird die flächendeckende Kritik der Sekundarlehrpersonen an den zahlreichen aktuellen Bildungsreformen bestätigt. Die neuen kostentreibenden Einweglehrmittel „Mille feuilles“ und „New World“ mit der zugrunde liegenden Mehrsprachigkeitsdidaktik „Passepartout“ werden z.B. nur gerade von 7.73% befürwortet. Viermal so viele (30.76%) lehnen die neuen Lehrmittel ab – ein vernichtendes Urteil unter der Berücksichtigung, dass „Mille feuilles“ elfmal so teuer ist wie das Vorgängerbuch.

Die Umfrage-Ergebnisse bedeuten ein verheerendes Ergebnis für die Reformbefürworter und die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK). Die teilnehmenden Lehrpersonen beurteilten die zur Debatte stehenden Punkte differenziert und professionell und nicht nach Gefühl. So wurden zahlreiche Fragen jeweils von einem beachtlichen Anteil der Lehrpersonen indifferent beantwortet. Die Lehrpersonen waren sich der Ernsthaftigkeit der Umfrage bewusst und nahmen nur zu denjenigen Fragen eine klare Stellung ein, die sie auch als Fachpersonen fundiert beantworten konnten. Dementsprechend sind die eingegangenen klaren Positionen pro oder contra äusserst aussagekräftig und stellen keinen Zufallsentscheid dar, zumal die Beteiligung mit 60% als beachtlich eingestuft werden darf.

Eine grosse Mehrheit der Lehrpersonen, welche für oder gegen die Reformen Position bezogen haben (ohne indifferente Antworten), lehnt sowohl die Sammelfächer "Natur und Technik", "Räume, Zeiten, Gesellschaft" und "Wirtschaft, Arbeit, Haushalt" wie auch das Passepartout-Konzept mit seinen Lehrmitteln „Mille feuilles“ und „New World“ deutlich ab. Auch der Lehrplan 21 wird von einer signifikanten Mehrheit kritisiert. Im Hinblick auf die Abstimmungen am 5. Juni zeigen die Umfrageergebnisse, dass die Lehrpersonen, die als Fachleute die Bildungsvorlagen „Einzelfächer statt diffuse Sammelfächer“ und „Lehrplan 21 sinnvoll überarbeiten“ fundiert beurteilen können, in der grossen Mehrheit Ja stimmen. Folgend einige Erhebungen im Detail, welche u.a. für die Abstimmung vom 5. Juni massgebend sind. Berücksichtigt sind diejenigen Antworten der Lehrpersonen, die jeweils für oder gegen eine Reform Stellung bezogen haben. Nicht berücksichtigt wurden die indifferenten Positionen.

Eine signifikante Mehrheit der Lehrpersonen sagt Ja zur Weiterführung der Einzelfächer (Physik, Biologie, Chemie, Geschichte, Geografie, Wirtschaft, Hauswirtschaft) und Nein zu den Sammelfächer (NaTech, RZG und AWH) ab.

  • Für die drei Einzelfächer Physik, Biologie, Chemie sind 357 Lehrpersonen (70.6%), dagegen sind149 Lehrpersonen (29.5%)
  • Für die beiden Einzelfächer Geschichte und Geografie sind 374 Lehrpersonen (74.1%), dagegen sind 131 Personen (25.9%).
  • Für die beiden Einzelfächer Wirtschaft und Hauswirtschaft sind 293 Lehrpersonen (65.8%), dagegen sind 152 Lehrpersonen (34.2%)

Eine deutliche Mehrheit lehnt den Lehrplan 21 mit seinen 3‘500 Kompetenzbeschreibungen ab und beurteilt den Lehrplan 21 als Risiko für die Schüler/-innen.263 Lehrpersonen (59.8%) lehnen den kompetenzorientierten Lehrplan 21 ab, 177 Lehrpersonen (40.2%) befürworten ihn. Nicht berücksichtigt sind die indifferenten Antworten.

Auch die Umfrageergebnisse zur Mehrsprachigkeitsdidaktik Passepartout und zu den neuen Lehrmitteln „Mille feuilles“ und „New World“ sind eindeutig. Die Fremdsprachenlehrpersonen auf der Sek. I-Stufe goutieren diese von oben diktierte, auf selbstorientiertem Lernen ohne ein grammatikalisches Fundament aufbauende Didaktik offensichtlich nicht; eine Didaktik, welche als Experiment und ohne wissenschaftliche Legitimation neben sich keine andere Didaktik mehr toleriert. Die Starke Schule Baselland fordert aufgrund der signifikanten Resultate die Bildungsdirektion auf, die verheerende Mehrsprachigkeitsdidaktik Passepartout zu stoppen, damit nicht noch mehr Schüler/-innen durch einen untauglichen und nicht zielführenden Fremdsprachenunterricht verheizt werden. Die Ergebnisse im Detail:

  • Passepartout und die teuren Lehrmittel „Mille feuilles“ und „New World“: 215 Lehrpersonen (79.9%) lehnen die neuen Lehrmittel Mille feuilles und New World ab. 54 Lehrpersonen (20.1%) befürworten diese neuen Lehrmittel.
  • 224 Lehrpersonen (73.7%) lehnen die neue Mehrsprachendidaktik ab, 80 Lehrpersonen (26.4%) befürworten die neue Mehrsprachendidaktik.

Die Starke Schule Baselland und der Lehrerverein lvb sind nur mit je einer Person in der Marschhaltgruppe vertreten. Zusammen mit dem Vertreter der Bildungskommission war man stets markant in der Unterzahl und hatte keine Möglichkeit, das Gremium auch zum Hinterfragen der Mehrsprachigkeitsdidaktik und der neuen Lehrmittel an der Primarstufe zu bewegen. Aufschlussreich sind auch die isoliert betrachteten Umfrage-Ergebnisse der Schulleitungen, welche – im Gegensatz zu den (Sek-)Lehrpersonen – als „Exekutivorgane“ an den Schulen diese heftig umstrittenen Reformprojekte weitgehend unterstützen. Die Gründe dafür sind naheliegend: Ein Markenzeichen der letzten 20 Jahre SP-Bildungsideologie hat auch darin bestanden, Posten in der Verwaltung und bei den ausführenden Organen mit ebendiesem Gedankengut zu besetzen. Wir sind überzeugt: Die Bevölkerung wird bei den kommenden Abstimmungen am 5. Juni diese klaren Ergebnisse mitberücksichtigen.
 

Lehrplan 21 und Sammelfächer: Note ungenügend.

Am 5. Juni entscheiden die Stimmbürger/-innen über drei wichtige bildungspolitische Vorlagen: "Einzelfächer statt diffuse Sammelfächer", "Lehrplan 21 sinnvoll überarbeiten" und "Bildungsqualität auch für schulisch Schwächere". Diese drei Vorlagen sind wegweisend für die Ausrichtung der künftigen Bildungspolitik in unserem Kanton.

Die Mehrheit der Lehrpersonen ist gegen Sammelfächer

Die Bildungsvorlage "Einzelfächer statt diffuse Sammelfächer" will die Festschreibung der sieben Einzelfächer Geografie, Geschichte, Biologie, Chemie, Physik, Wirtschaftskunde und Hauswirtschaft im Bildungsgesetz. Damit möchten wir deren Abschaffung und die Einführung der drei Sammelfächer "Natur und Technik", "Räume, Zeiten, Gesellschaft" und "Wirtschaft, Arbeit und Haushalt" verhindern. Die grosse Mehrheit der Sekundarlehrer, die bei der kürzlich stattgefundenen Umfrage der BKSD Position für oder gegen Sammelfächer bezogen hat (also sich nicht enthalten hat) lehnt die drei Sammelfächer "Natur und Technik", "Räume, Zeiten, Gesellschaft" und "Wirtschaft, Arbeit, Haushalt" ab. Um diese drei Sammelfächer geht es am 5. Juni.

Wenn Sie die ausführlichen Ergbenisse einsehen möchten, dann laden Sie dieses Dokument herunter.

Für Informationen zu unserer Pressekonferenz vom 21.04.2016 betreffend der Abstimmungskampagne 3 x Ja, klicken Sie hier.

Gastbeitrag von Alina Isler (Vorstandsmitglied Starke Schule Baselland), erschienen am 05.04.2016 in der BaZ als Reaktion auf den Artikel "Gespräche statt Studien"

Eymann negiert die Realität

Regierungsrat Eymanns Replik auf den Artikel "Ein Flop, den niemand sofort stoppen will" von BaZ-Journalist Thomas Dähler besteht darin, ihm vorzuwerfen, er würde nicht sachlich berichten. Diese Igeltaktik passt haargenau zum gängigen Abwehrmechanismus der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), deren Präsident Eymann ist: Kritiker werden reflexartig als unwissend oder schlecht informiert hingestellt und so diffamiert. Ähnlich ergeht es auch den zahlreichen, sachlich Kritik übenden Eltern und Basler Lehrperson, denen vorgehalten wird, sie verstünden halt eben das System (noch) nicht. Der EDK ist Kritik, so fundiert und belegt sie auch immer ist, ein Dorn im Auge - diese könnte ja den Elfenbeinturm zum Einsturz bringen.

Bildungsdirektor Eymann ist der Ansicht, im Moment scheine "ein Streit der Studien zu herrschen". Da verwechselt er offensichtlich etwas ganz gehörig. Sämtliche wissenschaftlichen Studien weisen klipp und klar nur in eine einzige Richtung: Die von der EDK ausgetüftelte neue Bildungsideologie wird in einem Fiasko enden. Dählers Formulierung, "eine halbe Generation wird damit leben müssen, dass sie in der Schule als Versuchskaninchen für ein unausgereiftes Sprachenkonzept herhalten musste", könnte nicht treffender sein. Die Wirksamkeit der neuen und bei den Fachpersonen heftig kritisierten Passepartout-Fremdsprachendidaktik hingegen konnte noch mit keiner einzigen Studie auch nur ansatzweise belegt werden.

Die wissenschaftliche Studie von Simone Pfenninger von der Universität Zürich als qualitativ ungenügend zu bezeichnen und ihr die Aussagekraft abzusprechen, ist ein starkes Stück vom Basler Bildungsdirektor und zeigt vielmehr, in welchem Argumente-Notstand er sich befindet. Gleichermassen bemerkenswert wie widersprüchlich ist auch seine Forderung, dass man von den Schüler/-innen etwas fordern darf, damit sie sich gegen die internationale Konkurrenz durchsetzen können, gleichzeitig aber eingesteht, dass niemand erwartet, dass die Abgänger/-innen der obligatorischen Schule eine Fremdsprache "können" müssen. Wozu dient dann der Unterricht? Ich frag mal meine Lehrerinnen und Lehrer am Gymnasium.
Ich befürworte einen stufengerechten und klassischen Sprachunterricht mit einem erheblichen spielerischen Anteil an den Primarschulen, der die Kinder motiviert und begeistert. Gleichwohl sollen die Lernenden in kleinen Schritten einen grammatikalischen Aufbau als Fundament der Sprache gelehrt bekommen, sich einen alltagstauglichen Wortschatz aneignen und so die Sprache kontinuierlich verstehen und anwenden lernen. Dies mit einem Lehrmittel, das einen verständlichen roten Faden hat und nicht einem teuren Comicheft ähnelt, das als Einweg-Lerhmittel nach kurzer Zeit im Altpapier landet. Die neuen Lehrmittel "Mille feuilles" und "New World" verfehlen diese Anforderungen deutlich.
Die wenig staatsmännische Replik von Regierungsrat Christoph Eymann hat micht nicht überzeugt.

Beitrag von Daniel Vuilliomenet (Sekundarlehrer) in der BaZ (Rubrik Einspruch), erschienen am 29.03.2016

Leerplan 21

Zum Glück kommt wieder etwas Wind in die Gegenbewegung bezüglich der Einführung des umstrittenen Lehrplans 21. Nachdem inzwischen auch von linker Seite in einer Broschüre mit dem Titel „Einspruch – Kritische Gedanken zu Bologna, HarmoS und Lehrplan 21“ massive Kritik laut wurde zu den anstehenden und zum Teil bereits umgesetzten Schulreformen, erhöht sich die Diskussionsfrequenz zu diesem Thema auch in der Tagespresse. Ich bin ein klarer Gegner des „Leerplans 21“, der zwar einige hundert Seiten umfasst, inhaltlich aber mehr als dürftig bleibt. Ausser einer schier endlosen Wiederholung von Zielformulierungen mit Satzanfängen, wie: „Die Schülerin, der Schüler kann…“, „Die Schülerin, der Schüler soll…“, „Die Schülerin, der Schüler verfügt….“, ist wenig Konkretes zu finden in diesem postmodernen Machwerk sogenannter Bildungsexperten. Postmodern? Die eben genannten Zielformulierungen in dieser Form waren schon Bestandteil meines letzten Studienjahres am Lehrerseminar Basel im Rahmen meiner Mittellehrer-Ausbildung vor 35 Jahren – genervt hat das alles bereits damals.

Die hehren Ziele und verlangten Kompetenzen im Lehrplan 21 schwanken in allen Fachbereichen zwischen Banalität und systemimmanent angelegter Überforderung. Und ständig mit dabei ist die Selbstreflexion der Schülerinnen und Schüler. Alles wird permanent beobachtet, vermessen und reflektiert – dass diese Kultur der unablässig eigenen Aussenbetrachtung auch beträchtliche psychologische Risiken in sich birgt, ist den Verfassern des pädagogischen Jahrtausendwerkes offenbar schlicht egal.

Wes Geistes Kind die Lehrplanmacher und deren Hintermänner und -frauen aber sind, zeigen zwei Umstände: Erstens versuchte und versucht die EDK offenbar, Volksabstimmungen zur Causa Lehrplan 21 zu verhindern und zweitens soll sich der umstrittene Lehrplan 21 vorerst im Thurgau und später (so weit als möglich) schweizweit richtiggehend durchsetzen, indem renitente und lehrplankritische Lehrpersonen, deren „Spider-Diagramm“ (!) nicht dem gewünschten Bezug zum Lehrplan 21 entspricht, zur Weiterbildung ermuntert bzw. verdonnert werden. Die Spiderdiagramme, die wir ja aus der Politikanalyse kennen, stammen in ihrer Lehrperson-spezifischen Form scheinbar aus einer sog. Toolbox der Fachhochschule Nordwestschweiz. Kurz gefasst: Schulleitungen entscheiden, Pädagogen werden abkommandiert – mittelfristig wohl auch lohnwirksam…. Eine regelrechte Kulturrevolution "Schule 3.0" ist hier im Gange. Man spricht auch von pädagogischer Gehirnwäsche und Umerziehung… 

Christian Amsler, der Schaffhauser Bildungsdirektor, der hinter der Idee der Spider-Diagramme steht, spricht von einer Überwindung des pestalozzianischen Geistes – Kopf, Herz und Hand seien im 21. Jahrhundert in dieser paritätischen Dreiteilung definitiv veraltet. Mit Verlaub: Ich bezeichne eine solche Haltung als "pädagogischen Landesverrat" und die wissenschaftliche Andienung mit implizierter Auftragsaquisition seitens der Fachhochschule als eigentliche "pädagogische Prostitution".

Der Lehrplan 21 ist mehr als ein Lehrplan und gleichzeitig überhaupt kein Lehrplan, sondern ein Curriculum zur ideologischen Umgestaltung der Volksschule. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger – so sie denn gefragt sind – tun gut daran, Chancen und Risiken eines solchen Umbaus gegeneinander abzuwägen.